arrow-left arrow-right logo_ashoka share-email share-facebook share-googleplus share-twitter

Page Title

Discovering Hands: Ein Social Start-up wird international

Kategorien:

von ashokaaustria

Der deutsche Gynäkologe und Ashoka Fellow Frank Hoffmann bildet mit „discovering hands®“ blinde Frauen zu medizinischen Tastuntersucherinnen (MTUs) aus. Dadurch verbessert er die Brustkrebsvorsorge erheblich und macht die vermeintliche Schwäche blinder Frauen zu einer Stärke. Seit November werden die ersten MTUs auch in Österreich mit Hilfe von Social Franchising auch in Österreich ausgebildet.

Thema: discovering hands Bild: Jakob StudnarWestdeutsche Allgemeine Zeitung

Gynäkologe und Ashoka-Fellow Frank Hoffmann

Vor sieben Jahren war Frank Hoffmann ein Gynäkologe mit einer Idee: Er wollte nicht akzeptieren, dass Ärzte wie er selbst Tumore in der weiblichen Brust erst ab der Größe einer Glasmurmel ertasten können. Er recherchierte und überlegte und kam zu dem Ergebnis, dass Blinde und Sehbehinderte über einen sehr viel feineren Tastsinn verfügen: Studien zufolge können sie einen Tumor in der Brust bereits mit einem Durchmesser von sechs bis acht Millimeter ertasten – wenn er so groß ist wie eine Erbse. „Es ist nie der Tumor in der Brust, der eine Frau tötet, es sind die Metastasen“, macht Hoffmann die Bedeutung der möglichst frühen Diagnose deutlich.

Hoffmann entwickelte eine spezielle Methode, um Sehbehinderte zur Brustkrebsfrüherkennung einzusetzen. Er arbeitete mit Blindenverbänden und Förderstellen zusammen, ein Projektteam entwickelte einen Ausbildungsplan und Hoffmann gründete „discovering hands®“. Nach zwei Jahren waren die ersten zwölf Medizinischen Tastuntersucherinnen (MTU) ausgebildet.

Ein Erfolg, von dem kaum jemand wusste. Denn man machte einen Fehler, konzentrierte sich auf „Innen“ und vergaß , die Entwicklung zu kommunizieren. „Alle blickten auf mich. Ich wusste jedoch keine Lösung“, sagt Hoffmann. Dann läutete das Telefon. „Es war jemand von Ashoka dran. Ich hatte noch nie von denen gehört und rief vorsichtshalber die Sekteninfo an. Die sagten: ,Keine Sorge, die kennen wir, die sind gut.‘

Ashoka sagte ihm, dass man ihn als Fellow ins Auge fassen würde – ihn mit einem Stipendium unterstützen, ihm hochkarätige Berater zur Seite stellen würde, um „discovering hands®“ skalierbar zu machen. Er hielt dem Auswahlverfahren stand und wurde Teil von Ashoka. „Vor vier Jahren war ich also Gynäkologe mit der Ambition, Sozialunternehmer zu sein.“ Per Definition einer, der unternehmerische Mittel zur Lösung eines gesellschaftlichen Problems einsetzt – die Königsklasse im Unternehmertum gewissermaßen. „Investoren müssen ihr Geld wiederbekommen, aber hier geht es um Diagnostik am Menschen, das darf kein Geschäft sein“, sagt Hoffmann. Geld verdient „discovering hands®“ mit Orientierungsstreifen, die bei den Tastuntersuchungen verpflichtend einzusetzen sind.

MTU
Expansion nach Österreich

Als „discovering hands®“ in Deutschland auf gutem Wege war, wollte Frank Hoffmann nach Österreich expandieren. Bei 5000 Frauen wird jährlich Brustkrebs diagnostiziert, 1500 sterben jedes Jahr daran. Um Geld für die Expansion zu sammeln, stellte er sich in der Start-up-Show „2 Minuten 2 Millionen“ der Beurteilung von Business Angels. „Von Discovering Hands profitieren drei Gruppen: Alle Frauen in Österreich, Menschen mit Sehbehinderung und das Sozialsystem.“ Das überzeugte. Frank Hoffmann sammelte 525.000 Euro ein, unter anderem von Impact Investor und Ashoka-Partner Michael Altrichter.

Wie Frank Hoffmann sein Social Business außerhalb Deutschlands multiplizieren kann, war ihm damals  bereits klar: Denn bereits vor seinem Auftritt in der Start-up-Show wurde er auf das Ashoka Globalizer Programm aufmerksam. „Für mich war klar, dass ich discovering hands nur mit Social-Franchising ins Ausland bringen würde.“ In einem viermonatigen Prozess erarbeitete Hoffmann gemeinsam mit der Franchise-Expertin und Ashoka-Partnerin Waltraud Martius den besten Weg ins Ausland.

Seit November 2014 werden die ersten vier MTU von der Schulungseinrichtung für blinde und sehbehinderte Menschen nun in Österreich ausgebildet und von den Sinnstiftern unterstützt. Neun Monate dauert die Ausbildung – die Absolventinnen werden ab Oktober 2015 in Praxen und Spitälern eingesetzt.

Hier sind seine vier Tipps für Social Start-ups, die internationalisieren wollen:

  1. Jeder Social Entrepreneur sollte daran interessiert sein, möglichst großen Impact zu generieren.
  2. Sebst wenn am Anfang höchst unklar ist wie das gehen kann: Wo es einen Willen gibt, gibt es auch einen Weg.
  3. Wenn man die Möglichkeit des Franchising wählt, ist  es wichtig einen guten Partner zu haben. Denn Fehler die hier gemacht werden, sind später nicht mehr auszubessern. Ashoka, Waltraud Martius und ihr Unternehmen SYNCON waren ein großer Gewinn für uns.
  4. Auch wenn mit einem Franchises-System die nächsten Schritte in einem viel größerer Rahmen erreichbar scheinen, darf man sich nicht dazu verleiten lassen zu viele Dinge gleichzeitig zu tun.

Neuigkeiten aus der Welt der Changemaker

Hier für unseren Newsletter anmelden und informiert bleiben.

Newsletter - Ashoka CEE