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Zeit als Zahlungsmittel? Ashokas neuester Fellow macht’s möglich

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von Nina Schnider

Mit seinem weltweit ersten Zeitvorsorge-Modell revolutioniert Gernot Jochum-Müller regionale Sozialsysteme. Der frisch gekürte Ashoka-Fellow hat sich der regionalen Wertschöpfung verschrieben.

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Oktober 2016 – Die zunehmende Alterung der Bevölkerung prägt den demografischen Wandel unserer Gesellschaft. Ein Trend mit dem so manche sozial-wirtschaftliche Struktur nicht mithalten kann. Dem wirkt Gernot Jochum-Müller entgegen und befähigt Menschen beispielsweise ihr lokales Pflegesystem aktiv mitzugestalten. So hat er das weltweit erste öffentlich garantierte Zeitvorsorge-Modell für soziale Pflege- bzw. Betreuungsleistungen ins Leben gerufen, das in St. Gallen bereits seit 2014 erfolgreich im Einsatz ist.

Zeitvorsorge – eine Win-Win Situation

Ziel des Zeitvorsoge-Modells von Jochum-Müller ist es, durch die Nutzung von sozialem Kapital älteren Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Dabei setzen rüstige Pensionisten ihre Lebenserfahrung und Zeitressourcen ein, um Senioren in ihrer Umgebung zu unterstützen. Sei es beim Einkaufen, im Garten oder beim Kochen – schon tägliche Aufgaben, die keine professionelle Pflegeausbildung voraussetzen, können eine Herausforderung für ältere Menschen darstellen. Die geleisteten Einsatzstunden werden auf dem persönlichen Zeitkonto gutgeschrieben. Wenn die Zeitgeber später selbst auf Hilfe angewiesen sind, können die angesparten Stunden für eigene Leistungsbezüge eingesetzt werden. Zudem fungiert in St. Gallen die öffentliche Hand als Haftungsgeber und sorgt dafür, dass die Zeitgeber die Stunden äquivalent abrufen können.

„Gernot hat mit seiner Idee der Zeitvorsorge einen innovativen Weg gefunden, das Pflege- und Betreuungssystem zu revolutionieren“, freut sich Marie Ringler, Geschäftsführerin von Ashoka Österreich und Europa Co-Leader über den neuesten Fellow-Zuwachs. „Zudem fördert es das Mit- und Füreinander: Einerseits erhalten ältere Menschen die Unterstützung, die sie benötigen, um ihren Alltag zu bewältigen und andererseits schafft es ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl, das vielerorts sukzessive in Vergessenheit gerät.“

Komplementäre Währungen zur regionalen Wertschöpfung

Der selbständige Organisationsberater Jochum-Müller beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit komplementären Zahlungssystemen. Als Obmann der Allmenda Social Business eG., die aus dem Vorarlberger TALENTE System entstanden ist, ist er federführend an der Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen für Gemeinden beteiligt. Ein Vorzeigebeispiel ist die Vorarlberger Gemeinde Langenegg, die mit ihrer Dorfwährung Langenegger Talente 2010 den europäischen Dorferneuerungspreis gewonnen hat. Langengger Talente fördern das Einkaufen im Ort. Wer sich für ein monatliches Abo entschließt, erhält 3% Rabatt als Anreiz für den lokalen Einkauf. So kann die regionale Infrastruktur aufrechterhalten und die Kaufkraft im Dorf gebunden werden. Mit weiteren österreichischen Gemeinden ist Jochum-Müller bereits im Gespräch.

Georg Schön, Co-Geschäftsführer Österreich: „Mit der Entwicklung von Regionalwährungen und dem Zeitvorsorge-System zeigt Gernot, dass soziale Probleme nicht immer nur durch finanzielle Mittel gelöst werden können. Auch Zeit, Talente und neue Kooperationsformen sind wertvolle Werkzeuge, um sozialen Wandel voran zu treiben.“

Jochum-Müllers Ashoka-Fellowship wird finanziell durch die globale Partnerschaft „Making More Health“ von Ashoka und Boehringer Ingelheim unterstützt, die 2011 gestartet wurde. Durch diese Partnerschaft sind weltweit über 70 Ashoka Fellows ausgewählt worden, die bahnbrechende soziale Innovationen im Gesundheitsbereich entwickelt haben.

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