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Marie Ringler: „Wir haben einen gemeinsamen harten Job: die Welt retten“

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von Nina Schnider

Seit Februar 2011 baut Marie Ringler Ashoka in Österreich auf und ist zudem für Zentral- und Osteuropa zuständig.  Auf ihrer Webseite schrieb sie in ihren Anfängen als Geschäftsführerin: „Immer habe ich das Ziel vor Augen, möglichst viele Menschen zu unterstützen und zu animieren selber aktiv zu werden, Probleme zu lösen, Changemaker zu werden.“ Wo steht Ashoka Österreich und CEE heute?

Ashoka Österreich ist seit Februar 2015 im 5. Jahr. Was war die große Herausforderung?
Marie Ringler: Ich bin gerade geschockt, wie lange das schon wieder her ist (lacht). Die größte Herausforderung war Verständnis dafür zu bauen, was Social Entrepreneurs überhaupt sind und wie sich Soziale Unternehmen etwa von klassischen NGOs unterscheiden. Die zweite Herausforderung war und bleibt, das Bewusstsein zu schaffen, dass unsere Arbeit gewisse finanzielle Ressourcen braucht. Was mich auf der anderen Seite sehr freut ist, dass immer mehr Offenheit besteht und immer mehr Leute aus der Wirtschaft entdecken, dass sie hier echte Wirkung erzielen und mitgestalten können.

Ist Social Entrepreneurship im öffentlichen Bewusstsein angekommen?
Jedenfalls wird das Wort immer öfter in der öffentlichen Debatte verwendet. Es ist auch bei politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern angekommen und wir können darüber mittlerweile differenzierte Debatten führen. Das ist spannend. Und das ist fein. Aber klar, es ist noch viel zu tun.

Woran fehlt es am meisten? An der Finanzierung?
Dazu nur ein Vergleich: Im vergangenen Jahr haben gemeinnützige Stiftungen in Deutschland 15 Milliarden Euro ausgeschüttet, in der Schweiz 1,2 Milliarden Euro und in Österreich 20 bis 25 Millionen Euro. Alleine diese Zahlen zeigen uns sehr deutlich, dass wir in einem Land leben, das von sich behauptet Spendenweltmeister zu sein – fälschlicherweise. Die Zahlen zeigen auch, dass es kein starkes Netzwerk für Social Entrepreneurs in Österreich gibt. Daran müssen wir etwas ändern.

Woran arbeitet Ashoka Österreich und CEE in diesem Jahr? Wann werden neue Fellows präsentiert? Zuletzt wurde 2013 Gregor Demblin gewählt.
In Zentral- und Osteuropa haben wir drei Fellows ausgewählt und heuer gibt es definitiv neue Fellows in Österreich. Unser kompromissloser Fokus auf Qualität beim Auswahlprozess bedeutet auch, dass er Zeit braucht.Was sonst noch ansteht, ist ein stärkerer überregionaler Fokus unserer Arbeit. Klar gibt es bestimmte Themen, die man lokal vorantreiben muss und kann. Aspekte wie das Ökosystem für Social Entrepreneurs, gemeinnützige Stiftungen, private Investoren, muss man lokal bauen. Aber wir leben in einem vereinten Europa, wo auch die Probleme nicht vor der Grenzen halt machen. Daher gibt es ganz viele Aspekte der Arbeit von Social Entrepreneurs, die dann wirklich spannend sind, wenn sie international werden. Das muss ein ganz zentraler Aspekt unserer Arbeit sein.

Wie hat sich aus Ihrer Beobachtung heraus CEE in den vergangenen Jahren entwickelt?
Es hat sehr unterschiedliche Entwicklungen gegeben: In Tschechien und in der Slowakei hat sich viel entwickelt, haben auch die jeweiligen Regierungen einiges auf den Weg gebracht – unter anderem mit der Unterstützung der European Social Business Initiative. Auf der anderen Seite gibt es Länder, wo sich die Situation verkompliziert hat, etwa Ungarn. Einfach aus der komplexen politischen Lage heraus wurde es für Social Entrepreneurs ein schwierigeres Land. Ich bin sehr sicher, dass sich das wieder ändern wird – die Frage ist nur wie lange das dauert.

Wie lange dauern diese Prozesse? Ashoka hat in Österreich in vier Jahren viel erreicht.
Ich glaube, dass solche Veränderungsprozesse Zeit brauchen. Wir sind als Menschen, auch wenn wir ganz schnell sind, doch sehr langsam darin unsere Sichtweisen zu ändern.

Wer hat derzeit gute Chancen Ashoka Fellow zu werden?
Sicherlich haben Frauen mit einer hochinnovativen Ideen aktuell gute Chancen bei uns. Einfach weil wir in den vergangen Jahren vor allem männliche Fellows ausgewählt haben. Wir bemühen uns sehr um eine ausgeglichene Gender-Bilanz, aber weil wir so spezifische Kriterien haben, ist das nicht immer einfach.

Was erwartet Ashoka nach ihrer Auswahl von den Fellows?
Wir erwarten, dass sie sich in den drei Jahren ihres Stipendiums voll und ganz auf die Verbreitung der Lösung fokussiert, sie auch international zum Fliegen bringen. Und, dass sie ihre Wirkung messen. Das ist uns wichtig. Nach diesem intensiven Auswahlverfahren aber haben wir so ein starkes Vertrauensverhältnis zu unseren Fellows, dass wir sie nicht zu irgendwelchen Dingen zwingen. Im Gegenteil, wir haben einen gemeinsamen, harten Job und der lautet die Welt zu retten. Ashoka Fellows werden Ashoka Fellows, weil sie Leute mit herausragender unternehmerischer Haltung und hundertprozentiger ethischer Integrität sind. Sie wissen, was der nächste Schritt ist. Wir unterstützen sie darin.

Marie and Bill (c) Julian Kirchner Photography

Marie Ringler mit Ashoka-Gründer Bill Drayton (c)Julian Kirchner Photography

 

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